LuftsportVerein Hofgeismar e.V.

"Der Dingel"

Vereinsgeschichte

Der Traum vom Fliegen

Aus den Gründungsjahren des LSV

Am 28.9.1950 gründeten „alte“ Segelflieger den „Luftsportbund für den Kreis Hofgeismar“. Noch war der Segelflug von den Alliierten nicht wieder freigegeben worden, aber der Wunsch, eines Tages wieder fliegen zu können, war groß. Bereits vor 1933 hatte eine Interessengruppe für den Segelflugsport im Kreis Hofgeismar existiert; diese war aber nie besonders hervorgetreten. Nach dem Missbrauch des Luftsports durch das Dritte Reich, das den Segelflug als vormilitärische Ausbildung für die Piloten der Luftwaffe zweckentfremdet hatte, waren die Gründer froh, den Neubeginn im Segelflug jenseits von politischen oder gar militärischen Bindungen betreiben zu können. Am Aufbau des jungen Vereines waren die Modellflieger wesentlich beteiligt. Sie sollten sich auch später als ausserordentlich wichtiger Bestandteil des Vereines bewähren, wie wir gleich noch sehen werden. Zunächst einmal wurde unter nicht geringen Schwierigkeiten – Material war damals noch knapp – ein Modell nach dem anderen gebaut. Bald konnten schon die ersten Siege bei Wettbewerben gefeiert werden.

Nicht weniger enthusiastisch ging die Segelfluggruppe ans Werk. Nach der Freigabe des Segelflugs Datum begann sie ein Grunau Baby III zu bauen. Man hatte sich für diesen Übungseinsitzer entschieden, da hierfür Pläne und wichtige Beschlagteile vorhanden waren. Die Beteiligung war so groß, dass man den Bau sogar auf zwei Ortsgruppen verteilen konnte. In Karlshafen wurden Einzelteile für die Tragflächen gebaut, während man sich in Hofgeismar der Rumpfteile annahm.

Schon am 8.6.52 war es dann nach intensiver Arbeit so weit: Auf dem Hofgeismarer Marktplatz fand die feierliche Taufe des neuen Vogels auf den Namen „Reinhardswald“ statt. Der Kreisluftsportverein Hofgeismar e.V. – so lautete mittlerweile der Vereinsname – war damit einer der ersten Vereine in Hessen, die über ein eigenes Flugzeug verfügten. Bald darauf erfolgten auf dem Sauberg bei Hofgeismar die ersten Starts des Grunau Baby - leider jedoch schnell auch der erste Bruch. Viel Pech durch einen weiteren Bruch des „Baby“ sowie die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Nordhessen Mitte der 50er Jahre setzten dem Idealismus ein Ende. Die Segelfluggruppe zerfiel. Das war um so bedauerlicher, da in weiterer intensiver Arbeit noch ein Schulgleiter SG 38 und eine Segelflugwinde gebaut worden und damit die Voraussetzung für einen reibungslosen Flugbetrieb geschaffen worden war.

Die Maschinen – auch die von einer kleinen Gruppe nochmals aufgebaute „Grunau Baby“ - wurden vom Niederhessischen Verein für Luftfahrt übernommen, in Kassel-Waldau weitergeflogen und von den aktiv gebliebenen Hofgeismarern mitbenutzt.

Der Modellflug hält durch

Allein der Initiative der Modellbaugruppe unter ihrem Leiter Theodor Pottharst ist es zu verdanken, dass der Verein in den nächsten Jahren nicht ganz von der Bildfläche verschwand.

Der Dingel wird entdeckt

Zweiter Anlauf für den Segelflug

Das völlige Erliegen des Segelflugbetriebes in Hofgeismar war letztlich auch eine Frage des Geländes gewesen. War noch zur Zeit der Gründung der Hölleberg bei Deisel als Platz vorgesehen, so wurde dann tatsächlich auf dem Sauberg bei Hofgeismar geflogen.
Den Ausschlag für dieses fliegerisch ungünstigere Gelände gab die Nähe zur Stadt und der Umstand, dass die Maschinen nach dem Flugbetrieb in die Unterstellräume in Hofgeismar gebracht werden mussten, denn weder Hölleberg noch Sauberg verfügten über feste Unterstellmöglichkeiten. In den langen Jahren der Ruhe war dann aus dem Sauberg eine landwirtschaftliche Nutzfläche geworden, und auch der Hölleberg war weiter kultiviert worden, so dass er für den Segelflug keine genügend lange Startstrecke mehr bieten konnte. In all diesen Jahren hatte sich Heinrich Bick jedoch genug Pioniergeist erhalten, um einen Neubeginn zu wagen. Auf der Dingel bei Hümme hatte er ein für die Segelfliegerei geradezu ideales Gelände ausgemacht. Er gründete 1964 die Segelfluggruppe neu und betrieb den Aufbau mit enormem Einsatz: es waren langwierige Verhandlungen mit Landbesitzern zu führen, Mitgliederwerbung zu betreiben und alle möglichen Verwaltungsarbeiten zu leisten. Ausserdem brachte er die Heimatgemeinden, den Kreis und das Land Hessen dazu, mit großzügigen Spenden den Aufbau und den Kauf der ersten Maschine, der Ka 8 D-4371,zu unterstützen. Hans-Dietrich Kachel, der damals als Hofgeismarer Vereinsmitglied seine Baumaschinen zur Verfügung stellte, schildert die Pionierarbeiten zum Aufbau des Flugplatzes auf der Dingel: „Als Bauunternehmer in Hofgeismar hatte ich Verbindung zum Architekturbüro Heinrich Bick. Dieser sprach mich im Sommer 1966 an, ob ich mit meinem Maschinen- und Gerätepark beim Herrichten des Flugplatzes und der Halle behilflich sein wollte. Als alter Segelflieger war ich sofort mit Eifer dabei. Heinrich Bick hatte mit 21 Parzellenbesitzern zu verhandeln, um überhaupt die Pachtverträge zu bekommen. Einige Grundstücke wurden später von der Stadt übernommen, und der damalige Landtagsabgeordnete und spätere Bürgermeister der Stadt Hofgeismar Willi Croll war unseren Plänen wohlgesonnen und unterstützte den Verein. Zur gleichen Zeit war auch der „Niederhessische Luftsportverein “auf der Suche nach einem Segelfluggelände. Er war durch eine großzügige Spende des Landes in der Lage, den Hallenbau auf der Dingel zu finanzieren.

Beide Vereine taten sich zusammen, und gemeinsam wurde das Herrichten des Geländes begonnen. An den Wochenenden fuhr ich mit meinem Radlader zur „Dingel “.Ein großer Teil des Geländes war mit Wacholderbüschen, Krüppelkiefern und wilden Rosenbüschen bewachsen; das Gelände wies ausserdem einige Bodenwellen auf. Gemeinsam mit etwa acht bis zehn Freiwilligen entfernten wir die Bepflanzung und füllten die Bodenwellen auf.

Inzwischen wurden im Büro Bick die Pläne für die Halle erstellt. Als die Baugenehmigung eintraf, wurde als erstes ein Holzschuppen für die Lagerung von Zement, Kalk und Gerätschaften errichtet. Dann folgte die Einmessung des Geländes, Aushub und Betonieren der Fundamente. Mit vereinten Kräften wurde gemauert, geschalt, betoniert, Material transportiert und auch gefeiert. Am Abend nach getaner Arbeit gab es oft ein Lagerfeuer, rundherum fröhliche Fliegerkameraden mit Zigaretten, Bierchen und Gitarrenmusik zu lustigen Liedern. In der Zwischenzeit zimmerten einige Fliegerkameraden in der Halle der Firma Schmidt ‘sche Heissdampf in Kassel die Binder für die Dachkonstruktion. Nach dem Einschalen und Betonieren der Säulen und Ringanker wurden die Binder mit dem Radlader gerichtet, so dass mit der Lattung und Dacheindeckung mit Eternitplatten begonnen werden konnte. Nach Fertigstellung des Hallenbodens kamen im Herbst 1967 die ersten Flugzeuge in die Halle: vom Kasseler Verein eine Rhönlerche und eine Ka8, und unser erstes Flugzeug, eine Ka8, die wir aus Marburg vom Fliegerkameraden Himmelmann holten. Zur Verbindung zwischen Startplatz und Winde musste dann ein Kabelgraben von 1 km Länge ausgehoben werden. Strom bekamen wir mittels Erdleitung von einem Masten unterhalb des Flugplatzes. Im Frühsommer 1967 konnte dann mit dem Flugbetrieb begonnen werden. Es dauerte aber noch einige Zeit, bis das Fluggelände von Steinen befreit und die aufgefüllten Bodenrinnen bewachsen waren und sich das Gelände im heutigen Zustand darbot. Nachdem die Arbeiten an der Halle dem Ende zugingen, begann der Bau der Windengarage sowie die Gründungsarbeiten für die Unterkunft. Diese Arbeiten zogen sich über die folgenden Jahre hin. Die Kasseler Fliegerkameraden hatten sich im zwischen ein eigenes Fluggelände in Edermünde/ Grifte zugelegt. Für ihren Hallenbau wurden von unserem Verein die Dachbinder gezimmert und nach Grifte transportiert.“

www.segelflug-hofgeismar.de